Positionspapier zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven (ENTWURF)

19.02.2019

GRÜNE lehnen LNG-Terminal in Wilhelmshaven ab

Worum geht es?

Nach dem Willen führender Wilhelmshavener und regionaler Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker*innen, der Hafenwirtschaftsvereinigung sowie von Arbeitgeberverband und IHK soll Wilhelmshaven als „Energiedrehscheibe“ durch die Ansiedlung eines LNG-Terminals weiter ausgebaut werden. LNG (Liquefied Natural Gas) ist die Bezeichnung für Erdgas, das bei – 162 °C verflüssigt und dabei in seinem Volumen 600-fach reduziert wird. Dadurch erhält es eine hohe Energiedichte und kann als ein spezielles Flüssiggut in Behältern (Tanks) transportiert, gelagert und in Verkehr gebracht werden. Es besteht aus über 98 % aus Methan. Die Verflüssigung erfordert einen hohen Energiebedarf von bis zu 25 % des Energieinhalts des Flüssiggases.

Der Energiekonzern Uniper und die japanische Reederei MOL beabsichtigen eine schwimmende Regasifizierungsanlage (FRSU) in der Jade ab 2022 zu betreiben. Die Geschäftsstrategie von Uniper und MOL setzt dabei auf den Import von amerikanischem Flüssigerdgas, dass fast ausschließlich durch das besonders umweltschädigende Fracking gewonnen wird. Für die Bundesregierung kündigte Wirtschaftsminister Altmaier im Anschluss an eine deutsch-amerikanische LNG-Konferenz in einer Pressekonferenz am 12 .2.2019 an, dass Deutschland künftig LNG aus den USA beziehen werde. Durch den Ausstieg aus der Atom-und Kohleenergie benötige Deutschland übergangsweise mehr Erdgas, das heute überwiegend aus Norwegen und Russland komme. Der Bau von Terminals soll mit Fördergeldern unterstützt und die Betreiber verpflichtet werden, das regasifizierte Gas in das Fernleitungsnetz einzuspeisen und damit die Gasversorgung breiter aufzustellen.

Ein Aberwitz: Erdgas soll durch Erdgas ersetzt werden?

Um die Klimaziele zu erreichen und eine weitere Erderwärmung um maximal 2° C zu begrenzen plant Deutschland den Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2038. Ab 2050 gilt das auch für die anderen fossilen Energieträger. Die Verbrennung von Erdöl und Erdgas zur Wärmegewinnung und zur Mobilität wird dann endgültig zu Ende gehen. Die Frage wird sein, welche Alternativen uns dann zur Verfügung stehen? Schon heute erzeugen wir ca. 31, 5 % unseres Strombedarfs regenerativ über Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse. Im Verkehrsbereich kommt die Elektromobilität endlich in Gang. Die von der deutschen Autoindustrie favorisierte Dieseltechnologie als erlebt nach dem Betrugsskandal gerade ihr großes Desaster. Der Dieselanrieb steht als „fossile Brückentechnologie“ im Abseits.

Nunmehr soll mit Hilfe von LNG eine neue fossile Brücke gebaut werden. Der Aberwitz daran: Erdgas soll durch Erdgas ersetzt werden. Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 seine klimarelevanten Emissionen um 55 % zu verringern. Wie und warum das mit LNG gelingen soll ist mehr als zweifelhaft. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN steht fest: LNG hat keine Zukunft. Diese Art „Brückentechnologie“ liefert keinen Beitrag zur Energiewende. Im Gegenteil: Es wird eine neue Infrastruktur für einen weiteren fossilen Energieträger geschaffen. Welchen Sinn soll es machen, mit hohem Energieaufwand und Umweltschäden gefracktes Erdgas zu verflüssigen, nach Europa zu verschiffen und hier – wiederum mit Energieaufwand – wieder gasförmig zu machen um es dann ohne einen tatsächlichen Bedarf in das Fernleitungsnetz einzuspeisen? Das hat weder etwas mit Klimaschutz noch mit zukunftsorientierter Energiepolitik zu tun. Wir von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehnen diese Art von ‚Klimaschutz‘ entschieden ab.

Zukunftsinvestitionen sind gefragt

Die GRÜNEN in Wilhelmshaven sind sich einig, dass der Einstieg in die fossile LNG-Technologie in eine ökologische und ökonomische Sackgasse führt. Wir lehnen es ab, dass unter dem Deckmantel der Versorgungssicherheit eine rückwärtsgewandte Technologie installiert und Chancen für umweltfreundliche und in die Zukunft gerichtete Innovationen verspielt wird. Da Erdgas ob gasförmig oder verflüssigt größtenteils aus Methan besteht wird beim Verbrennen weniger CO2 freigesetzt als bei anderen fossilen Energieträgern. Deshalb halten auch wir GRÜNE die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Erdgas für sinnvoll, soweit deren Kapazitäten als Reserve und für Spitzenlasten noch in Frage kommen. Das ist mit dem vorhandenen Erdgasangebot problemlos möglich. Diese Kraftwerke mit LNG zu betreiben ist ökonomisch und ökologischer Unsinn. LNG wird hierzu nicht gebraucht. Was wir in Wilhelmshaven ebenso nicht brauchen ist ein ING-Terminal als weitere Investitionsruine.

Deutschland und Niedersachsen brauchen vielmehr eine Forschungs- und Förderinitiative zur Entwicklung und Einführung neuer Stromspeicher, damit örtliche Überkapazitäten erneuerbarer Energien gespeichert und bei Lastspitzen eingespeist werden können. Die GRÜNEN lehnen die LNG-Technologie nicht grundsätzlich ab, wenn die Erzeugung von Methangas auf regenerative Energien beruht. Hierzu zählt neben Biogas auch die regenerative Wasserstofftechnologie zur Erzeugung von klimaneutralem synthetischem Erdgas (EE-Gas, power-to-gas). Die Technologie kann sich marktgerecht entwickeln. Dazu zu braucht es den staatlichen Willen und ein wenig Zeit zum Aufbau der Infrastruktur.

LNG, eine Risikotechnologie

Methangas ist ein Klimakiller. Seine klimaschädigende Wirkung ist 80-mal größer als CO2. Schon bei der Gewinnung (Fracking), bei der Verflüssigung, dem Transport über See und beim Umfüllen in Lagertanks gelangen regelmäßig durch Leckagen (Methanschlupf) erhebliche Mengen in die Atmosphäre. Diese Gefahr besteht auch bei der Regasifizierung des LNG durch Erwärmen, d.h. bei der Überführung vom flüssigen in den gasförmigen Zustand. Unter Klimagesichtspunkten ist die fossile LNG-Technologie eine Risikotechnologie mit gravierenden Auswirkungen. Andererseits befürworten BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Umstellung der Antriebstechnik in der Schifffahrt von umweltbelastendem Schweröl zu fossilem LNG. Hier überwiegen die Vorteile nicht zuletzt durch eine geringere CO2-Emission. Es bedarf aber keiner großen LNG-Terminals, da die vorhandenen Import- und Lagerkapazitäten in Europa nicht nur ausreichend, sondern weitgehend unausgelastet sind. Sie können, wenn erforderlich, durch örtliche Verflüssigungsanlagen ergänzt werden.

Fazit für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Kein LNG-Terminal in Wilhelmshaven und anderswo!

Ein weiterer Punkt wäre die nautische Situation auf der Jade bei der Einfahrt, beim Wenden und Anlegen von Gas-Großtankern. Es wäre zu fragen, mit welchen Sicherheitsproblemen eine LNG-Anlandung oder ein schwimmendes LNG-Terminal behaftet ist und welche Auswirkungen für einen reibungslosen Betrieb des Jade-Weser-Ports und die Sicherheit des übrigen Schiffsverkehrs auf der Jade entsteht.

 

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Fachliche Ansprechpartner im Kreisverband

Rolf Biermann, Alexander von Fintel, Ulf Berner

Dieses Positionspapier ist vorläufig und wird auf einer Mitgliederversammlung im April 2019 final diskutiert und beschlossen

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