Positionspapier zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven

LNG-Terminal in Wilhelmshaven

Worum geht es?

Nach Ansinnen der Wilhelmshavener Hafenwirtschaftsvereinigung, des Arbeitgeberverbandes AWV und der IHK soll Wilhelmshaven als „Energiedrehscheibe“ durch die Ansiedlung eines LNG-Terminals weiter ausgebaut werden. LNG (Liquefied Natural Gas) ist die Bezeichnung für Erdgas, das bei -162 °C verflüssigt und dabei in seinem Volumen 600-fach reduziert wird. Dadurch erhält es eine hohe Energiedichte und kann als ein spezielles Flüssiggut in Behältern (Tanks) transportiert, gelagert und in den Verkehr gebracht werden. Es besteht zu über 98 % aus Methan. Die Verflüssigung erfordert einen hohen Energiebedarf von ca. 25 % des Energieinhalts des Flüssiggases.

Der Energiekonzern Uniper und die japanische Reederei MOL beabsichtigen, ab 2022 eine schwimmende Regasifizierungsanlage (FRSU) in der Jade zu betreiben [vgl. Wilhelmshavener Zeitung (WZ) 18. u. 20.12.2018]. Die Geschäftsstrategie von Uniper und MOL setzt dabei auf den Import von

amerikanischem Flüssigerdgas, das fast ausschließlich durch besonders umweltschädigendes

Fracking gewonnen wird.

Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) und MdB Siemtje Möller (SPD) sprechen von einer Brückentechnologie, betrachten Flüssigerdgas als einen Baustein zur Energiewende und sehen Wilhelmshaven als den bestmöglichen Standort an. Für die Bundesregierung kündigte Wirtschaftsminister Altmaier im Anschluss an eine deutsch-amerikanische LNG-Konferenz in einer Pressekonferenz am 12.2.2019 an, dass Deutschland künftig LNG aus den USA beziehen werde. Durch den Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie benötige Deutschland übergangsweise mehr Erdgas, das heute überwiegend aus Norwegen und Russland komme. Der Bau von Terminals solle mit Fördergeldern unterstützt und die Betreiber verpflichtet werden, das regasifizierte Gas in das Fernleitungsnetz einzuspeisen und damit die Gasversorgung breiter aufzustellen.

Ein Aberwitz: Erdgas soll durch Erdgas ersetzt werden?

Um die Klimaziele zu erreichen und eine weitere Erderwärmung auf maximal 2° C zu begrenzen plant

Deutschland den Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2038. Ab 2050 gilt das auch für die anderen

fossilen Energieträger. Die Verbrennung von Erdöl und Erdgas zur Wärmegewinnung und zur Mobilität wird dann endgültig zu Ende gehen. Die Frage wird sein, welche Alternative uns dann zur Verfügung steht. Schon heute erzeugen wir ca. 31, 5 % unseres Strombedarfs regenerativ über Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse. Im Verkehrsbereich kommt die Elektromobilität endlich in Gang.

Nunmehr soll mit Hilfe von LNG eine neue fossile Brücke gebaut werden. Der Aberwitz daran: Erdgas

soll durch Erdgas ersetzt werden. Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2030 seine klimarelevanten

Emissionen um 55 % zu verringern. Wie und warum das mit LNG gelingen soll, ist mehr als zweifelhaft. Bis zum Jahr 2050 will und muss Deutschland aber ohne fossile Energieträger auskommen, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen. Dabei sollten wir sicherlich früher auf Gas, Kohle und Erdöl verzichten.

Bei dem angestrebten Investitionsvolumen von 500 Mio. Euro würde sich die LNG-Technologie kaum rechnen. Selbst wenn wir bis zum Jahr 2050 Erdgas importieren sollten, wäre ein Terminal kaum über das Jahr 2040 hinaus voll ausgelastet. Schließlich haben wir bereits Pipelines, die aktuell die Versorgung sicherstellen. Und diese Pipelines – nach Russland, Norwegen und in die Niederlande – sowie die größten Erdgasspeicherkapazitäten Europas bedeuten, dass Deutschland seinen aktuellen Jahresbedarf an Gas um mehr als das Dreifache decken kann. Eine zusätzliche Versorgung über LNG-Terminals ist unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit und ergibt keinen Sinn.

LNG, eine Risikotechnologie

Da Erdgas, egal ob gasförmig oder verflüssigt, größtenteils aus Methan besteht, wird beim Verbrennen weniger CO2 pro KWh freigesetzt als bei anderen fossilen Energieträgern. Deshalb ist die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Erdgas sinnvoll, soweit diese Kapazitäten als Reserve und für Spitzenlasten noch in Frage kommen. Das ist mit dem vorhandenen Erdgasangebot problemlos möglich. Diese Kraftwerke mit LNG zu betreiben, wie Uniper unlängst verlauten ließ, ist ökonomisch und ökologisch Unsinn. LNG wird hierzu nicht gebraucht. Zudem ist Methan unverbrannt ein

Klimakiller. Seine klimaschädigende Wirkung ist 80-mal größer als die von CO2. Schon bei der Gewinnung (Fracking), bei der Verflüssigung, dem Transport über See und der Umfüllung in Lagertanks entstehen regelmäßig erhebliche diffuse Emissionen. Die nautischen Probleme bei der Revierfahrt von Gas-Großtankern auf der Jade sowie ein schwimmendes LNG-Terminal sind mit nicht unerheblichen Sicherheitsproblemen behaftet.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN befürworten jedoch die Umstellung der Antriebstechnik in der Schifffahrt von umweltbelastendem Schweröl zu fossilem LNG, solange keine anderen regenerativen Treibstoffe zur Verfügung stehen. Hier überwiegen die Vorteile nicht zuletzt durch eine geringere CO2-Emission. Große LNG-Terminals sind hierzu aber nicht erforderlich, da die vorhandenen Kapazitäten in Europa über die LNG-Terminals in Rotterdam, Zeebrugge, Swinemünde und Dünkirchen längst nicht ausgelastet sind. Falls erforderlich könnten darüber hinaus Verflüssigungsanlagen vor Ort und mit dem vorhandenen Gasangebot wesentlich bedarfsgerechter und kostengünstiger betrieben werden.

Viel zu viel Hype

LNG-Terminals sind hoch automatisiert. Die Anzahl der zu erwartenden Arbeitsplätze wurde bislang nicht genannt, es dürften aber selbst bei einem Terminal an Land nur 50 bis 60 Jobs entstehen – bei einer schwimmenden Regasifizierungsanlage (FRSU) noch weniger. Wenn ein Mittelständler 60 Arbeitsplätze schafft, interessiert es in Hannover oder Berlin wenig. Dagegen wird um die LNG-Technologie ein Riesenhype gemacht. Offensichtlich sind manche Politiker*innen aus Bund, Land und Region bereit, jeden Unsinn zu akzeptieren und viel Geld auszugeben, wenn es um hypothetische Arbeitsplätze geht. Leider ist es nicht überraschend, dass selbst der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies die LNG-Technologie ohne Wenn und Aber bejubelt. Die großen Erwartungen an das geplante Terminal sind aber schwer nachvollziehbar. Eine weniger blauäugige Industriepolitik seitens der niedersächsischen Landesregierung wäre geboten (siehe Diesel-Skandal).

Hinzu kommt das geradezu devote Einknicken vor der Forderung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der uns sein besonders klimaschädigendes Fracking-Gas verkaufen will. Ein solcher Kuschelkurs ist auch im Hinblick auf LNG-Lieferungen aus Katar angesichts der dort herrschenden Menschenrechtssituation skandalös.

Zukunftsinvestitionen müssen her

Insgesamt lässt sich feststellen: Unter Klimagesichtspunkten ist die fossile LNG-Technologie eine Risikotechnologie mit gravierenden negativen Auswirkungen jetzt und in der Zukunft. Die GRÜNEN in Wilhelmshaven sind sich einig, dass der Einstieg in die fossile LNG-Technologie in eine ökologische und ökonomische Sackgasse führt. Wir lehnen es ab, dass unter dem Deckmantel der Versorgungssicherheit eine rückwärtsgewandte Technologie installiert wird und Chancen für umweltfreundliche und in die Zukunft gerichtete Innovationen verspielt werden.

Deutschland und Niedersachsen brauchen vielmehr eine Forschungs- und Förderinitiative zur Entwicklung und Einführung neuer Stromspeicher, damit örtliche Überkapazitäten erneuerbarer Energien gespeichert und bei Lastspitzen eingespeist werden können.

Die GRÜNEN lehnen die LNG-Technologie nicht grundsätzlich ab, wenn die Erzeugung von Methangas auf regenerativer Basis beruht. Hierzu zählt neben Biogas auch die regenerative Wasserstofftechnologie zur Erzeugung von klimaneutralem synthetischem Erdgas (EE-Gas, power-to-gas). Die Technologie kann sich marktgerecht entwickeln. Dazu braucht es den staatlichen Willen und ein wenig Zeit zum Aufbau der Infrastruktur. Zudem muss LNG in welcher Form auch immer Teil einer Gesamtstrategie für die Energiewende sein, die bislang fehlt

Auf keinen Fall gerechtfertigt ist die von Bundeswirtschaftsminister Altmaier beschlossene Subvention für einen Anschluss an das Gasnetz. Die Kosten des Anschlusses werden auch nicht von der Bundesregierung getragen, sondern letztendlich von den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir sagen: Unsinn muss nicht auch noch bezuschusst werden!

Fazit für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wir brauchen kein LNG-Terminal – weder in Wilhelmshaven noch sonst irgendwo in Deutschland!

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