Positionspapier – Feuerwerke am Nationalpark

Gesundheitsschädlich – psychisch belastend – umweltschädlich

Am ersten Tag des neuen Jahres ist die Feinstaub-Konzentration vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Laut einem Bericht in der Wirtschaftswoche knallt jeder vierte Deutsche (23%) zum Jahreswechsel. Ein gutes Viertel der Befragten (27 %) empfindet hingegen Feuerwerk als pure Geldverschwendung, 13 Prozent der Deutschen sind davon genervt.

Wir GRÜNEN sind gegen das Abbrennen von Höhenfeuerwerk in Wilhelmshaven

Feuerwerk | Foto: Ulf Berner

 

Gesundheitsgefahren durch Feinstaubemmissionen

Dabei werden rund 4.500 Tonnen Feinstaub (PM10) frei gesetzt, diese Menge entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und circa 2,25 Prozent aller PM10-Emissionen (2016).
Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.
Wie schnell die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk abklingt, hängt vor allem von den Wetterverhältnissen ab. Kräftiger Wind hilft, die Schadstoffe rasch zu verteilen. Bei windschwachen Wettersituationen mit eingeschränktem vertikalen Luftaustausch verbleiben die Schadstoffe jedoch über viele Stunden in der Luft und reichern sich in den unteren Atmosphärenschichten an.

Hohe Verletzungsgefahr

Zudem landen jedes Jahr Menschen mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper in der Notaufnahme – mit Verbrennungen oder Augenverletzungen bis hin zu dauerhaften Hörschäden. In Deutschland erleiden jährlich 8.000 Menschen zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Rund ein Drittel dieser Menschen behält bleibende Schäden, so eine Meldung im Deutschen Ärzteblatt im Jahre 2013.

Belastend für kriegstraumatisierte Menschen

Ebenso sind Menschen mit Kriegserfahrungen betroffen. Es wird zum Beispiel von Paniken in vielen Altenhilfeeinrichtungen berichtet. Aber auch gerade zu uns geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten belastet die “Ballerei” erheblich.

Erhebliche Beeinträchtigung der Tierwelt

Für unsere tierischen Nachbarn kann die Knallerei sogar lebensbedrohlich werden. Bei Vögeln und anderen wildlebenden Tieren erzeugen die Knall- und Lichteffekte keine Partystimmung, sondern Panikreaktionen. Nicht nur während der Brutzeit ist Ruhe angesagt. So überwintern unter anderem zehntausende Nonnengänse und Große Brachvögel im Wattenmeer. Im Nationalpark finden sie ungestörte Rastplätze oder auch Nahrungsflächen, um den Winter zu überstehen. Sie müssen unentwegt fressen, um im Frühjahr in guter Kondition in ihre Brutgebiete zurückzukehren. Diese liegen oft fernab der Zivilisation bis hin zum Polarkreis. Umso größer ist der Schock für die Vögel, wenn im Winterquartier plötzlich in einer Nacht die Hölle losbricht.
Niederländische Forscher haben mithilfe von Radargeräten nachgewiesen, wie sich riesige Vogelschwärme ausgelöst durch die Feuerwerksaktivitäten weiträumig von ihren Rastplätzen entfernen. Doch auch ohne wissenschaftliche Belege kann eigentlich jeder nachvollziehen, dass Tiere den geballten Lärm nicht gut verkraften. Besitzer von Hunden, Katzen und anderen Haus- und auch Nutztieren können nach jeder Silvesternacht ein Lied davon singen.
Aus gutem Grund sind Feuerwerke im Nationalpark Wattenmeer (und auch im Nationalpark Harz und anderen Schutzgebieten) ganzjährig streng verboten. Licht- und Schallemissionen machen jedoch an den Grenzen des Nationalparks nicht Halt.

Umweltverschmutzung mit unabsehbaren Folgen

Der Feuerwerksmüll, wie die Reste der weit fliegenden Raketen, die leeren Abschussbatterien, Raketenstäbe und Abschussvorrichtungen, findet sich nach der Silvesternacht auch im Nationalpark und Weltnaturerbe wieder und werden zur Gefahr für Flora und Fauna. Jedes Jahr sammelt der BUND mit seiner Aktion „@work-after-party“ am 1. Januar allein am Südstrand Wilhelmshaven und am Banter See mehrere 120-Lieter-Säcke „Silvestermüll“ ein und das ist nur der erreichbare und offensichtliche Müll.

Kommunale Schutzzonen und freiwilliger Verzicht

Außerhalb der Nationalpark-Grenzen gelten die Verbote des Nationalpark-Gesetzes natürlich nicht. Hier stehen Kommunen, Touristik, aber auch jeder Einzelne, ob einheimisch oder Gast, in der gemeinsamen Verantwortung für das Weltnaturerbe.

Feuerwerk ist nicht alternativlos

Ein freiwilliger Verzicht auf Böller und Raketen im Umfeld des Nationalparks sei nicht gleichbedeutend mit einem Verlust an Spaß. Hier ist auch Kreativität gefragt, neue Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen, die Glücksmomente im Einklang mit der Natur vermitteln. Zum Beispiel Lichterfeste, Laternenumzüge oder eine Sternenwanderung jenseits des Partygetümmels, am Meer oder durch die Dünen .

 

Unser Positionspapier als pdf

Positionspapier_Feuerwerk-am-Wattenmeer_2019

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