Mehr Fahrräder denn je, aber von Gleichberechtigung im Straßenverkehr keine Spur

Von Volker Hasenmüller

Volker Hasenmüller

Vier Tage ohne Anhänger am Fahrrad unterwegs – dreimal angehupt worden. Dass es offensichtlich einen Unterschied macht, ob ich mit Anhänger fahre oder nicht, ist so bemerkenswert wie absurd. Mit Anhänger bin ich letztmals vor drei Wochen auf der Berliner Straße angehupt worden. Es gibt keinen Grund fürs Hupen aufgrund eines Fahrrads, egal ob mit Anhänger, oder ohne.
Die Straßenverkehrsordnung ist eindeutig. Nicht die Person im Auto entscheidet, wo das Fahrrad gleich welcher Art fährt, sondern das Gesetz. Mit Erhalt eines Führerscheins müsste dies eigentlich bekannt sein. Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Führerschein nichts über das Verhalten im Straßenverkehr aussagt. Sondern der Charakter.

Da ich mich seit vielen Jahren ehrenamtlich und intensiv für die Förderung des Radverkehrs einsetze, beschäftigt mich „Anhupen“ natürlich. Meist ist das leider auch verbunden mit einer Nötigung. Es geht nicht nur mir so und es gibt viele Radfahrende, die man nicht sieht oder hört, denen es aber genauso geht.

Für mich darf ich klipp und klar feststellen, dass ich seit Jahren informiere und aufkläre. Ich nehme daher für mich in Anspruch, mehr als ausreichend auf die Karte „Man muss bloß informieren, aufklären, dann ist alles gut“ gesetzt habe.

In diesem Rahmen – „Aufklärung“ – lobe ich ausdrücklich den Landkreis Friesland, für seinen „7. Sinn“ Clip. Dieser Lehrfilm ist meines Erachtens viel zu kurz gekommen und hätte weiter Verbreitung verdient, z.B. hätte die Stadt WHV ihn möglicherweise nach Absprache ebenso verwenden und publik machen können.

Ich erwarte insbesondere von der Polizei Wilhelmshaven deutlich mehr sichtbare sowie eindeutige Maßnahmen, die klipp und klar ganz spezifisch dem Radverkehr zugutekommen, seinem Schutz dienen. Ein „wir können nicht überall sein“ oder „da können wir nichts machen“ ist nichts, womit man die öffentlich nicht wahrnehmbare – möglicherweise. also das Fehlen der – Rückendeckung gezielt des Radverkehrs entschuldigen kann. Insbesondere deshalb, weil nach einem Strafantrag die Staatsanwaltschaft Oldenburg erfahrungsgemäß (!) die Sache anders sieht.

Von der Stadt und der Politik benötigt es viel mehr sichtbaren Raum für den Radverkehr IM Straßenverkehr. Für viele Autofahrende ist das Fahrrad im Straßenverkehr immer noch ein Fremdkörper. Tatsächlich: Nirgends muss sich der Autoverkehr dem Radverkehr unterordnen. Die Fahrradstraßen, aktuell noch viel zu wenige, sind so gestaltet, dass Autofahrende den Eindruck bekommen müssen, trotz Vorgaben machen zu können, was sie wollen – wenn sie die Vorgaben überhaupt erkennen. Pauschales Bashing? Nein. Schaut euch den Durchgangsverkehr am Neuengrodener Weg an. Durchfahren = verboten = Anlieger frei = egal. Unsäglich! Aber nur ein Beispiel.

Wenn keine freie Durchfahrt für alle vorgesehen ist, dann müssen Mittel und Maßnahmen benutzt werden, damit nicht frei durchfahren werden kann!

Ein Schild „Anlieger frei“ taugt nix, ist das Blech nicht wert, dazu braucht man kein Studium der Verkehrswissenschaften.

Ich verweise hier auf ein aktuelles Urteil aus Hannover (1): „Wo Fahrradstraße draufsteht, muss auch Fahrradstraße drin sein“. Danke Peter Merbitz für diesen Hinweis.

Critical Mass | Bild: V. Hasenmüller

Radfahrende in Wilhelmshaven müssen aber auch noch viel, viel mehr dazu beitragen, ihren Anspruch deutlich zu machen! Nicht nur bei den Fahrraddemos des Bündnisses fahrradfreundliches WHV und bei der Critical Mass Wilhelmshaven, auch medial in der Zeitung, gegenüber Verwaltung und der Politik darf und muss ein klarer Anspruch an einen besseren Radverkehr gestellt werden. Man muss nicht in das gleiche, pauschale Anspruchsdenken des Autoverkehrs der letzten Jahrzehnte verfallen. Jedoch muss überhaupt mal einen Anspruch formuliert werden und zwar breit und nicht nur eine Handvoll wenige.

Lethargie im Sinne von „es ändert sich ja doch Nix“ bringt uns nicht weiter. Und es ist schlichtweg auch falsch. Es hat sich schon einiges geändert. Aktiv sein, wahrnehmbar sein, dranbleiben und langen Atem haben wirkt! Das ist auch nichts, wofür man sich schämen muss, im Gegenteil. Es wurden in den letzten Monaten so viele Fahrräder verkauft, wie noch nie. Warum also soll nicht auch die Infrastruktur entsprechend angepasst werden?

Es müssen alle dazu beitragen, dass unterm Strich der Radverkehr geachtet wird und vor allem die Voraussetzungen für eine Gleichberechtigung im Sinne des Gesetzes gegeben sind.

Wie immer geht mein großer Dank und Respekt an die, die einfach ganz normal mit Anstand und Abstand am Radverkehr vorbeifahren.

(1): https://www.verwaltungsgericht-hannover.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/eigenschaft-der-kleefelder-strasse-in-hannover-als-fahrradstrasse-erneut-auf-dem-prufstand-203278.html”_

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