„KLIMASCHÄDLICHER ALS KOHLE“

– Onyx erwägt Kraftwerksumrüstung auf Holzpellets

– Für den Rohstoff werden alte Wälder abgeholzt

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat sich in den letzten 13 Monaten fünfmal mit Onyx getroffen, gibt die Landesregierung nach einer schriftlichen Anfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Imke Byl und Susanne Menge zu. Bei all diesen Treffen dürfte es unter anderem um die Pläne zur Umrüstung des Kraftwerks in Wilhelmshaven gegangen sein, das erst Ende 2019 vom US-Investor Onyx aufgekauft wurde. Bei mindestens einem dieser Treffen war Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD) anwesend. Vertreter*innen von Onyx hatten ebenfalls mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) Gespräche.

Abholzung
Foto: picography@pixabay

Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass Onyx die Umrüstung ihres Kraftwerkes auf Holzpellets prüft. Und dass die Landesregierung solche Pläne unkritisch sieht.

„Es ist natürlich in Ordnung, wenn Minister*innen sich mit der Wirtschaft treffen. Uns stört allerdings massiv die naive Haltung insbesondere von Umweltminister Lies zu Holzpellets“, erklärt die Grüne Landtagsabgeordnete Imke Byl. Denn das umgerüstete Kraftwerk hätte voraussichtlich einen Bedarf an Pellets von rund 2,9 Mio. Tonnen, was fast der gesamten Produktion Deutschlands von knapp 3 Mio. Tonnen entspricht. Pellets, die in der EU in der Regel aus Restholz hergestellt werden, liefern tatsächlich einen sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels.

Allerdings muss Europa bereits über ein Viertel seiner Pellets importieren. Diese importierten Pellets werden zu einem  großen Teil durch die Rodung von alten Wäldern in den USA, Kanada und Russland hergestellt. Solche Pellets sind nach der Meinung einiger Wissenschaftler*innen sogar noch klimaschädlicher als Steinkohle. Deswegen protestieren die Umweltverbände bereits gegen die Umrüstungspläne der Industrie.

Imke Byl, umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Nds Landtag | Foto: Brauers

„Wenn durch eine weltweit hohe Nachfrage für die Pellets ökologisch wertvolle Wälder gerodet werden oder die Pellets bis aus den USA hierher transportiert werden, ist das alles andere als nachhaltig“, so Byl. „Generell gilt: Biomasse wird in Zukunft für nicht-elektrifizierbare Bereiche unter anderem in der Industrie dringend benötigt. Das Verbrennen von Holz zur Stromerzeugung ist ineffizient und kein guter Beitrag zum Klimaschutz. Die Landesregierung wäre gut beraten, stattdessen den Ausbau von Wind- und Sonnenergie zu beschleunigen und den niedersächsischen Energieverbrauch zu senken.“

Sina Beckmann – Bundestags-Direktkandidatin für den Wahlkreis 26 | Foto: privat

Bundestagskandidatin Sina Beckmann ergänzt: „Holzpellets können einen Klimabeitrag leisten, aber nur dann, wenn sie aus Holzabfällen sind und die Natur nicht zerstören. Wir haben genug erneuerbare Energiequellen wie Wind, Sonne und Wasser in der Region und sollten diese weiter ausbauen.“

Die Grünen hakten bei der Landesregierung auch nach, ob eine Unterstützung für Onyx für die Umrüstung aus den 157 Millionen Euro des Strukturhilfefonds geplant sei – bei der Verteilung der Gelder hat das Land ein wichtiges Mitspracherecht. Die Antwort der Landesregierung ließ eine solche Förderung offen.

Alexander von Fintel
Alexander von Fintel, Vorstandsmitglied GRÜNE-WHV

„Auf Dauer wäre dieses Vorhaben eine Fehlinvestition, die keine Arbeitsplätze sichern würde. Die klimaschädliche Stromproduktion müssen wir schließlich einstellen, nicht neu aufstellen. Von Olaf Lies und Siemtje Möller erwarten wir eine klare und öffentliche Distanzierung von diesem Projekt, und wir fordern die Landesregierung dazu auf, jegliche Förderung dafür abzulehnen. Sich hinter der Ausrede zu verstecken, dass es auch klimafreundliche Holzpellets gibt, reicht nicht, denn diese werden bereits an anderer Stelle benötigt“, so Vorstandsmitglied Alexander von Fintel.

 

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