Kommentar zu Attentaten von Würzburg, München und Ansbach

Terror – Amok – Mord?!

Paris, Nizza, Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach, … Wir lesen und sehen von schlimmen Attentaten auf die Zivilbevölkerung, die jetzt auch direkt vor unserer Haustür angekommen sind.

All diese Taten sind unabhängig von Motiv, Herkunft der Täter oder deren Zugehörigkeit zu einer Religion oder Gruppe sehr schlimm und rufen Entsetzen hervor.

Der mediale Hype nützt nur den Tätern

So schlimm diese Taten auch sind, der mediale Hype um diese macht es nicht besser. Da überschlagen sich die Medien in ihrer Berichterstattung. Jedes Medium versucht, wie im Fall München, trotz sehr dünner Faktenlage in Dauerberichterstattungen die besten Bilder die gewagtesten Spekulationen und das quotenträchtigste Glaskugellesen. Die ARD schaffte es gar in einer stundenlangen Berichterstattung mit immer den selben Bildern dem Zuschauer klar zu machen, das man eigentlich nichts weis, aber es könnte ja dies sein und jenen Verlauf nehmen und diesen oder jenen Hintergrund haben.. Meines Erachtens ein Auswuchs medialer Berichterstattung der einzig dem oder den Tätern als kostenlose Werbeplattform dient und Nachahmer geradezu herausfordert.
Ein wenig mehr Zurückhaltung, Unaufgeregtheit und Sachbezogenheit wäre hier dringend angeraten.

Niemand wird sich ernsthaft einbilden können, das Terror und Mord an unseren Grenzen halt macht und ja, es ist ganz schlimm für die Opfer und deren Angehörige – aber es dient niemandem, wenn es sofort auf allen Kanälen sensationsgeil oder pseudo-informativ ausgeschlachtet wird. Wohltuend war da im großen Tumult von Aufgeregtheit, Betroffenheit und Gier nach neuesten Erkenntnissen der Münchner Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins, der in betonter Sachlichkeit und Ruhe das an Informationen herausgab, was belastbar war und öffentlich gemacht werden konnte.

Missbrauch der Situation zu eigenen Zwecken, ist Missbrauch an den Opfern und Angehörigen

Natürlich finden sich in diesen Zeiten sofort Politiker und politische Aktivisten die diese Situation für ihre Zwecke nutzen – egal auf wessen Kosten. Besonders aus dem konservativen und rechten Lager schallen sofort die Rufe nach schärferen Gesetzen, geschlossenen Grenzen, dem Versagen der Regierung, der persönlichen Schuld von Frau Merkel oder den Grünen “Gutmenschen”. Da twittert Dr. Maximilian Krah (CDU – Dresden) am 22.07. um 19:53Uhr “Ich bin in München. Das muss der Wendepunkt sein: Die Willkommenskultur ist tödlich.Es geht um unser Land.“(mittlerweile gelöscht).

Twitter Screenshot

Während er dies schreibt weis niemand wer da mit welchem Motiv in München auf Menschen schießt. André Poggenburg von der AfD diffamiert in unerträglicher Weise alles was links von seiner Partei steht. “München: Unser Mitgefühl den Hinterbliebenen und Verletzten, unser Abscheu den Merklern und Linksidioten die Mitverantwortung tragen!“, schreibt Poggenburg am 23.07.2016 auf Twitter.

Twitter Screenshot
Wer so handelt missbraucht nicht nur die Situation sondern gleichermaßen auch die Opfer und Angehörigen zu niederen – persönlichen Zwecken.

Niemand will eine seriöse Debatte zur Sicherheitspolitik und zu gesellschaftlichen Problemen, die zu derartigen Ausnahmesituationen führen, unterbinden. Um diese Diskussion führen zu können, benötigt man aber zunächst Fakten und es bedarf einer Diskussion in der Sache. Einzelne Politiker*innen oder politische Gruppen persönlich für solche Vorfälle verantwortlich zu machen, ist populistisch, gefährlich und inakzeptabel.

War es nun Terror oder Amok ?

Abgesehen davon, das es Opfern und Angehörigen egal sein dürfte, ist das Attentat von München nach derzeitiger Nachrichtenlage ein Massenmord eines psychisch kranken Einzeltäters, Ansbach eventuell ein Terrorakt, Reutlingen eine Beziehungstat und Paris und Nizza offensichtlich Terrorakte. Im Ende bleibt alles Mord oder Massenmord. Wie wir die Sicherheit der Bürger*innen in diesem Land maximieren ohne rechtsstaatliche und freiheitlich-demokratische Grundwerte zu opfern, bleibt die Herausforderung der Behörden und der Politik auf allen Ebenen.
Ein wichtiger Baustein dazu ist eine offene, pluralistische Gesellschaft, die wieder das Miteinander fördert, soziale Ungerechtigkeiten abbaut, Respekt vor den Mitmenschen zeigt, egal was sie besitzen, woher sie kommen, was sie glauben oder wen sie lieben.

An die Zukunft einer solchen Gesellschaft glaube ich und für diese werde ich immer mit aller Kraft eintreten.

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